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Rektor Cleiß in den Ruhestand verabschiedet

Eine große Zahl von Vertretern deutscher und französischer Bildungsinstitutionen, aus Industrie, Wirtschaft und Politik und viele Freunde und Familienangehörige waren am Donnerstag in die Beruflichen Schulen gekommen, um Schulleiter Peter Cleiß zu verabschieden. 

 

Peter Cleiß’ Ziel war es gewesen, eine deutsch-französische Berufsschule in unserer Grenzregion zu etablieren – die Bretter, die es zu durchbohren gilt, erwiesen sich jedoch als sehr hartleibig. Dennoch sind die grenzüberschreitenden Kooperationen der Beruflichen Schulen Kehl (BSK) mit Schulpartnerschaften im Elsass, deutsch-französischen Ausbildungsmodulen und dem »Abibac Pro« zahlreich: Vor zwei Jahren bekamen die BSK den Adenauer-Charles de Gaulle-Preis verliehen. »Peter Cleiß war für jede Idee offen und hat nicht nur die deutsch-französische Freundschaft gefördert, sondern auch die Völkerverständigung«, sagte Isabelle Wolf vom Rektorat der Akademie Straßburg. 

»Ein Potpourri an Leben«

Die Verabschiedung nahm Martin Müller, Leitender Regierungsschuldirektor beim Regierungspräsidium Freiburg, vor. »Ich habe ein Potpourri an Leben in seiner Personalakte gefunden«, berichtete er. Der in Willstätt aufgewachsene Peter Cleiß hat Religionspädagogik studiert und einen Master-Studiengang Bildungsmanagement draufgesetzt. Er war Lehrer an der Kaufmännischen Schule Offenburg, Studienleiter am Religionspädagogischen Institut Freiburg, Gefängnisseelsorger, Vorsitzender der Bildungsregion Ortenau und bekleidete nicht wenige Ehrenämter. 

2013 ermunterte ihn sein Vorgänger an den BSK, sich um den Schulleiterposten zu bewerben. »Der Hauptgrund für seine Bewerbung war die Lage der Schule an der deutsch-französischen Grenze«, wusste Müller. »Er hat seitdem daran gearbeitet, dass in unserer Region eine zweisprachige Ausbildung Normalität wird.« 

Vetrano: »Fairer und agiler Partner« der Stadt Kehl
Fairness, Transparenz und Gerechtigkeit seien die Werte, nach denen er stets gehandelt habe, so Müller weiter. Und nicht zuletzt eine tiefe Mitmenschlichkeit: Als im Sommer 2015 ein Anruf kam, dass die Schule die Turnhalle für die Unterbringung von 200 Geflüchteten räumen soll, hat Cleiß mit dem Kollegium entschieden, ein leer stehendes Schulgebäude zur Verfügung zu stellen. 
OB Toni Vetrano lobte Cleiß als »fairen und agilen Partner« der Stadt Kehl und dankte ihm, dass er das L-Gebäude drei Jahre lang für die Erstunterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt hat. Den Antrag der BSK, ein sozialwissenschaftliches Gymnasium am Standort Kehl einrichten zu dürfen, werde er im Kreistag mit allen Kräften unterstützen, so Vetrano. 

Neue Perspektiven eröffnet
Die beigeordnete Straßburger Bürgermeisterin Nawel Rafik-Elmrini betonte den Anteil, den Peter Cleiß zu der engen Kooperation der beiden Grenzstädte beigetragen hat. Seine grenzüberschreitende Sicht auf die Ausbildung habe neue Perspektiven eröffnet, sagte sie, und erinnerte daran, dass ein französischer Azubi, der im Rahmen seiner Ausbildung in Deutschland die BSK besucht hat, den Preis als bester Lehrling bekommen hat. Auch Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, bescheinigte den BSK eine hervorragende Arbeit. 

Cleiß: »Habe diese Schule lieben gelernt«
»Ich habe diese Schule lieben gelernt«, sagte Peter Clei­ß in seiner Abschiedsrede. Er sei in den sechs Jahren seiner Schulleitertätigkeit zu der Überzeugung gekommen, dass eine berufliche Schule auch andere Werte vermitteln müsse als nur fachliche: »Oft halten Jugendliche die Ausbildung nicht durch, weil es an Haltung und psychischer Stabilität fehlt«, sagte er. Zum Abschluss brach er erneut eine Lanze für sein Herzensprojekt: »Hier in Kehl etwas anderes zu wollen als eine deutsch-französische Berufsschule ist absurd«, sagte er. Es gebe die »Crêche«, die Falkenhausenschule, die zweisprachige Heilerziehungspflege-Ausbildung in der Diakonie Kork und vieles mehr: »Hier verdichtet sich eine Notwendigkeit, die nur jemand zur Seite schieben kann, der sich nicht hier befindet.«

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